Treffpunkt Rü -
Porträt einer Straße

Die Rüttenscheider Straße ist ein Ort der Gegensätze
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Die Rüttenscheider Straße

Die Rüttenscheider Straße ist ein Ort der Gegensätze. Eckkneipen wechseln sich ab mit Cocktailbars, Designerläden mit Dönerbuden. Rentner leben Tür an Tür mit Studenten-WGs. Neben 50er-Jahre-Bausünden steht eine Kapelle aus dem 15. Jahrhundert. Das alles prägt die Rüttenscheider Straße – gerne wird sie mit dem Prenzlauer Berg in Berlin verglichen.

Einheimische nennen die Rüttenscheider Straße nur Rü. Sie liegt im gleichnamigen Stadtteil Rüttenscheid – im Herzen Essens. Die Rüttenscheider Straße schlängelt sich 2,5 Kilometer lang von Nord nach Süd. 200 Kirschbäume umrahmen die Straße. Der Japaner Tadashi Nakamura stiftete sie Ende der 1980er Jahre der Stadt Essen, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg eine Zeit lang lebte. Start ist der rote Backsteinbau des Glückaufhauses. Er beheimatet das älteste Filmtheater des Ruhrgebiets. Es geht vorbei an Biomärkten, Buden, dem offenen Bücherschrank am Rüttenscheider Stern, dem Christinenpark, über eine Brücke, bis die Rü in die Bredeneyer Straße übergeht.

Wir haben die Menschen besucht, die hier leben, ausgehen und arbeiten. Das Porträt einer Straße.

Jule Körber wohnt seit vier Jahren auf dem „Prenzlauer Berg des Ruhrgebiets“

DIE WG AN DER RÜ

Jule Körber wohnt seit vier Jahren auf dem „Prenzlauer Berg des Ruhrgebiets“

Judith Haselroth zeigt uns ihre liebsten Orte auf der Rüttenscheider Straße

EIN RUNDGANG AUF DER RÜ

Judith Haselroth zeigt uns ihre liebsten Orte auf der Rüttenscheider Straße

Freitagnachts in der Traditionskneipe Ampütte

ES RIECHT WIE BEI OMMA

Freitagnachts in der Traditionskneipe Ampütte

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Voodoo auf der Rü

Das „Soul of Africa Museum“ bringt Ahnenkult nach Essen

Die Zimmer des „Soul of Africa Museums“ platzen aus allen Nähten. Geschnitzte, mit einem Zauber belegte Figuren stehen in Vitrinen, prachtvolle „Yoruba“-Kostüme einer westafrikanischen Geheimgesellschaft und ein Original „Asen“-Altar für die Toten des Stammes der „Fon“ sind in der Wohnung an der Rüttenscheider Straße 36 ausgestellt. Seit dem Jahr 2000 lässt Kurator Henning Christoph Afrika, Voodoo und Ahnenkult in Essen auferstehen.

Mehr als 200 Mal, schätzt er, war er mittlerweile in Afrika, oft für Reportage-Reisen für das Magazin GEO. Am See Nokoue in Benin hatte er ein Schlüsselerlebnis: „Ich saß mit einem Priester auf der Veranda und hörte Trommeln, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte. Als ich den Geistlichen danach fragte, antwortete er entsetzt, das sei der Teufel“, erinnert sich Christoph.

Impressionen

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Die große Liebe

Oliver Freymark wollte immer auf der Rü leben

„Es ist echte Liebe. Ich bin hier groß geworden und diese Lebensqualität findet man nicht woanders.“ Seit 43 Jahren wohnt Oliver Freymark in Rüttenscheid. Vor vier Jahren ist er direkt auf die Rü gezogen. Hier wollte er schon immer wohnen. Mitten im Leben. Ein Schritt aus der Haustür reiche, und man sei drin im Gewühl. Von seinem Balkon im vierten Stock blickt der 45-Jährige direkt auf den Rüttenscheider Stern und beobachtet das Gewusel. Menschen eilen vorbei, erledigen ihre Einkäufe. Andere schlürfen ihren Cappuccino in einem der Cafés. Nachts ziehen sie alle von Kneipe zu Disco.

oliver_freymark

Zitate zur Rü

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Ein Stückchen Ruhrgebietskultur

Stephan Schwill hat ein kleines Büdchen auf der Rü

Klümpken naschen, Pilsken trinken und ein Pläuschken halten – im Ruhrgebiet ist die Bude für viele Menschen ein wichtiger Treffpunkt. Hier trifft man alte Bekannte, diskutiert über Weltpolitik oder gönnt sich vor der Maloche einen heißen Kaffee. Das Büdchen ist Heimat. Und ein Stück Ruhrgebietskultur. So wie Stephans Bude auf der Rüttenscheider Straße 155.

Seit April 2005 führt Stephan Schwill seinen Kiosk. Von montags bis freitags, von halb sieben bis 18 Uhr, steht der Essener hinter seiner Theke und verkauft die Klassiker“: Zigaretten, Zeitschriften, Zeitungen, Süßes und ein paar Getränke. Es gibt kein Gezumpel. Ich hab vier Biersorten. Das reicht.“ Klümpken – so nennen die Menschen im Pott Süßigkeiten – die sind besonders bei den Jüngeren beliebt. Nach Schulende kommen sie vorbei und holen sich eine gemischte Tüte. Dann drücken sie ihre Nase an der Fensterscheibe platt und zeigen Stephan, wie viel sie von den blauen Schlümpfen haben wollen.

Stephans Bude
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Filmstudio Glückauf

Das älteste Kino im Ruhrgebiet hat bewegende Jahre durchgemacht

„Filmstudio“, verziert mit leuchtenden Sternchen, prangt über dem Eingang zum Filmstudio Glückauf – dem dienstältesten Filmtheater des Ruhrgebiets. Über einen roten Teppich gelangen die Besucher in den Keller des Hauses und in die Welt der 50er Jahre. Lampen, Sessel, Tische und die Verkaufstheke, ja die komplette Einrichtung ist im Stile dieser Zeit eingerichtet. Ein original erhaltenes Foyer.

Bereits 1924 wurde das Filmstudio Glückauf feierlich an der Rüttenscheider Straße 2 eröffnet. Die Gründer des Lichtspielhauses planten ein sogenanntes Reformkino mit lehrhaften Bildern, doch die Essener wollten lieber spannende Sensationsfilme sehen. So blieben die Kinosäle leer.

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Zahlen und Fakten

Quelle: IG Rüttenscheid e.V., Stand: Januar 2015

 
Männer
 
Frauen
 
Ledig (in Prozent)

Anzahl der unter 18-Jährigen (121)

8%

Anzahl der 18- bis 29- Jährigen (313)

21%

Anzahl der 30- bis 44-Jährigen (389)

26%

Anzahl der 45- bis 64-Jährigen (361)

24%

Anzahl der 65-Jährigen und Älteren (324)

21%

Rü-Bewohner mit ausschließlich deutscher Staatsangehörigkeit

77%

Haushalte mit…

Kreisdiagramm Haushalte
 
Das Durchschnittsalter

Quelle: Stadt Essen, Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen, Stand 30.09.2014