„Wo seid ihr? Was für eine Horrorveranstaltung“


Von Klaus Brandt

Sie waren auf dem Sprung nach Duisburg. Der Gastronom Till Hoppe und seine Frau Sonja wollten zur Loveparade. Doch dann kam eine SMS, die sie vor dem Horror warnte – und vielleicht vor einem tragischen Schicksal bewahrte.

Die Kurzmitteilung kam von Thomas Pieper. Der hatte große Mühe, die Nachricht einzutippen. Eingequetscht zwischen Tausenden von Festival-Besuchern, quälte er sich am Samstag kurz nach 13 Uhr durch den Karl-Lehr-Tunnel, der 19 Menschen vier Stunden später zum Verhängnis werden sollte. Das Drama kündigte sich schon mittags an. „Für 80 Meter haben wir anderthalb Stunden gebraucht“, berichtet Pieper.

Ausgehfertig und abreisebereit

Seinen Kumpel Till Hoppe wollte er auf dem Raveline-Truck treffen, für den sie Karten hatten. Als Freund und Float unerreichbar schienen, setzte er die SMS ab: „Hi Till, wo seid ihr? Was für eine Horrorveranstaltung. Bitte melden! Gruß, Thomas.“

Die beiden Dortmunder waren ausgehfertig und abreisebereit, als die Nachricht sie kurz vor 14 Uhr erreichte. Till Hoppe kennt die Enge einer Großveranstaltung. Er zieht die Dortmunder U-Bahn-Party auf, bei der sich Massen im Underground-Schacht an der Westfalenhalle drängen. „Doch die Loveparade ist eine ganz andere Hausnummer – und die SMS klingt nicht gut“, dachten sich Till und Sonja Hoppe. „Weil wir keinen Bock auf einen solchen Stress hatten“, strichen sie den Duisburg-Trip und blieben daheim.

Erstarrt vor Schrecken

Im Nachhinein ein weiser Entschluss. Wären sie gefahren – die Menschenpresse und der Tunnel wären unvermeidbar gewesen. „Zeitlich hätte das gepasst. Vielleicht wären wir tatsächlich in die Tragödie hineingeraten. Das hätte ganz schön übel ausgehen können“, sinnierte Till Hoppe gestern – und mochte den Fall gar nicht zu Ende denken.

„Wenigstens im Fernsehen“ wollte er das Spektakel sehen. Kurz nach dem Einschalten: der Schock. Die erste Eilmeldung berichtete von zehn Toten. „Wir sind erstarrt vor Schrecken“, sagt der 34-Jährige. Die Nachricht, dass Freund Thomas in Duisburg außer Gefahr war, beruhigte etwas.

Für Veranstalter Hoppe steht fest, dass ein Mythos gestorben ist. „Die Parade ist tot. Das hat mit Love nichts mehr zu tun. Die Veranstaltung wegen der Ruhr.2010 durchzuboxen“ – das habe einen hohen Preis gekostet.