„Von uns wird das Fest nicht abgesagt“


Von Hayke Lanwert, Thomas Mader und David Schraven

Bochum sagt die Loveparade ab. Recht unvermittelt und plötzlich. „Mit mir hätte es diese Loveparade nicht gegeben”, sagt Bochums Wirtschaftsdezernent Paul Aschenbrenner. Polizeipräsident Thomas Wenner wettert. „Überleben ist wichtiger“, schrieb er gar in einem offenen Brief – „auch wenn der Spaßfaktor auf der Strecke bleibt“. Die anderen Beteiligten winden sich.

„Ich habe nicht im Alleingang entschieden”, wehrt sich Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz. „Ich habe mitentschieden. In einer Telefonkonferenz gemeinsam mit Herrn Brauser von der Wirtschaftsmetropole Ruhr und mit dem Veranstalter.“ Am Ende sind die offenkundigen Mängel wohl zu groß.

„Eine Metropole muss so etwas leisten“

Der Bochumer Bahnhof kann 16.000 Menschen pro Stunde befördern, weniger als halb so viele wie Dortmund oder Essen. Das ist seit Jahren bekannt. Die maßgebliche offizielle Begründung der Absage lautet darum: Gleisbauarbeiten der Bahn.

dieter-gornyDas politische Ruhrgebiet steht am gleichen Tag Kopf: Kritisiert wird von allen Parteien und den Medien nicht die Absage als solche, sondern der späte Zeitpunkt, der keinen Plan B offenlässt. Der damalige Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU): „Eine Metropole muss so etwas leisten.“ Dieter Gorny, Chef der Kulturhauptstadt: „Ein herber Rückschlag für die Region.“

 

„Zumindest die Loveparade 2010 muss jetzt stattfinden“

Nach der Absage aus Bochum richten sich alle Blicke auf Duisburg. Wird  Oberbürgermeister Adolf Sauerland dafür sorgen, dass die Loveparade in Duisburg auch wirklich stattfindet? NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) macht Druck: „Oh Gott, oh Gott, das ist aber schade – und nicht gut für das Image des Ruhrgebiets. Ich hoffe nicht, dass nun auch noch die Loveparade 2010 ausfällt – zumindest die muss jetzt stattfinden.”

Duisburg scheint dem Druck gewachsen. Sauerland, Oberbürgermeister seit 2004, lässt keine Zweifel aufkommen: „Wir wollen die Loveparade und setzen alles daran, dass sie hierherkommt. Von uns wird das Fest nicht abgesagt.” Sein Vorkämpfer Uwe Gerste, Leiter der städtischen Marketinggesellschaft, schwärmt bereits: „Gerade im Kulturhauptstadtjahr könnte Duisburg im Fokus der Öffentlichkeit stehen.” Er träumt vom Dortmunder Erfolg.