„Es ist jetzt ein historischer Ort“


Von Alfons Winterseel

Es dauert nur wenige Minuten, vielleicht drei oder vier, bis die Bilder zurückkommen. Von dem tödlichen Gedränge vor der kleinen Treppe während der Loveparade. Trotz der Umgestaltung der Unglücksstelle, der mächtigen Betonwände, der sich nach oben hin und her windenden Treppe, des aufgestellten Lebensbaumes und der kleinen Pflanzen, die nun dort Wurzeln schlagen, wo damals die Rampe die Menschen zu einer fröhlichen Party führen sollte. „Es ist jetzt ein anderer Ort geworden“, sagt Christiane Krause, deren Sohn Kevin am 24. Juli 2010 hier sein Leben verlor. „Es ist jetzt ein historischer Ort.“

Viele haben für die Gedenkstätte gekämpft

Am 23. und 24. Juli 2013 werden der Tunnel und die Gedenkstätte, deren Gestaltung und Größe nach langem Hin und Her im Februar beschlossen wurde, von den Hinterbliebenen der 21 jungen Menschen und den Überlebenden besucht. „Wir freuen uns, dass die Gedenkstätte nun nahezu fertig ist“, sagte Edda Metz (Krieger-Bau). „Es wurde alles das erhalten, worauf wir uns mit den Angehörigen verständigt haben.“

gedenkstaetteDie Gedenkstätte ist auf einer Fläche von 500 Quadratmetern entstanden. Viel mehr als am Anfang einmal geplant worden war. Anfangs war der Ort in den Plänen gar überbaut, sollte die Gedenkstätte an anderer Stelle auf dem Gelände errichtet werden. Viele haben für den Erhalt des Ortes gekämpft, der nun einen doch würdigen Rahmen erhalten hat, wofür man KurtKrieger dankbar sein muss.

 

Ein bewegender Moment

Und auch dafür, dass er trotz aller Anfeindungen, die ihm zwischenzeitlich entgegen gebracht wurden, sein Versprechen gehalten hat. „Ich hoffe, dass dies ein Ort würdigen Gedenkens wird“, sagte Oberbürgermeister Sören Link bei der Vorstellung der Gedenkstätte, die nicht die anfangs befürchtete Enge aufweist. „Es ist ein bewegender Moment.“

Aus einem Teil des entfernten Geländers über der kleinen Treppe wurden von der Ausbildungswerkstatt der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann kleine Kreuze hergestellt, die den Hinterbliebenen und Überlebenden überreicht werden sollen. Dass der Tag mit sehr viel christlicher Symbolik begangen wird, trifft auf geteiltes Echo. Christiane Krause: „Kevin war nicht fromm. Es würde ihm sicher nicht gefallen, so beweihräuchert zu werden.“