Das Ende der Ära Sauerland


Von Willi Mohrs, Thomas Richter, Oliver Schmeer, Annette Kalscheur

„Du kannst nach Hause gehen“, schallte es über den Rathausplatz, als das Ergebnis der Sauerland-Abwahl die Runde machte. Schon gegen 19 Uhr sickert durch, dass es eine deutliche Mehrheit gegen Sauerland geben wird. Dann tritt Wahlleiter und Oberstadtdirektor Dr. Peter Greulich vor die Presse. Von der Zahl der Anti-Sauerland-Stimmen dringt nur 129… durch, alles andere geht im Jubel unter. Mehr als 129.000 Duisburger haben für Sauerlands Abwahl gestimmt, nur 21.538 wollten ihn als Oberbürgermeister behalten. NRW-Innenminister Jäger tritt unmittelbar nach der Verkündung vor die Mikrofone: „Ich bin erleichtert, dass es so eindeutig ist. Das lässt keinen Interpretationsspielraum. Zuvor hatte er eindringlich Respekt für den abgewählten Oberbürgermeister angemahnt: „Nicht der Mensch Sauerland ist abgewählt worden, sondern der Funktionsträger.“

peter-greulichAdolf Sauerland betrat seinen Amtssitz erst zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale. Jede Geste, jedes Mienenspiel drückte aus, wie tief getroffen er vom so klaren Votum der Bürger war. Er akzeptiere das Ergebnis, werde noch einige organisatorische Fragen regeln, dann seinen Schreibtisch räumen für den Nachfolger. Gerne sei er acht Jahre lang OB gewesen, sagte Sauerland bei seiner letzten Pressekonferenz, und habe so ein Abwahlergebnis nicht erwartet. Nun habe er die Hoffnung, dass die politischen Parteien „die Kraft haben, aufeinander zuzugehen.“

Gegen 20 Uhr suchen Kameraleute den Rathaus-Hintereingang, durch den Sauerland angeblich kommen soll. Er kommt aber durchs Hauptportal, die Niederlage ist ihm ins Gesicht geschrieben. Dennoch ist Zeit für ein Küsschen für die Dame an der Pforte. Eingekeilt in einen Medienpulk eilt er die Treppe zum Ratssaal hoch, hält eine kurze Ansprache, endend mit den letzten öffentlichen Worten seiner Amtszeit: „Gott schütze die Stadt Duisburg.“

sauerland„Ich habe mir dieses Ergebnis erhofft, gerechnet habe ich nicht damit“, sagt Theo Steegmann, einer der Frontmänner der Abwahl-Initiative. Er zeige Respekt vor OB Sauerland, dass er trotz der Eindeutigkeit des Ergebnisses noch ins Rathaus kam. „Somit bleibt zumindest ein Minimum an Respekt, den man ihm zollen kann.“ Die Bürgerinitiative werde weiter zusammenbleiben. Sie will laut Hüsken ein „Prüfstein für alle kommenden OB-Kandidaten sein“. Er selbst schließt sich ausdrücklich aus. Die Angehörigen der 21 Loveparade-Opfer würden nun bestimmt ein Stück weit Genugtuung verspüren. Aber: „Auch diese Abwahl wird die Toten nicht wieder lebendig machen.“