Pause auf der A40 – gar nicht mal so einfach

Rastplätze sind rar entlang des Ruhrschnellwegs.
Ein Besuch in Beverbach.

Aufgeweckt beobachtet Remmy das Geschehen auf dem Rastplatz aus der zwei Meter hohen Fahrerkabine. Durch die Frontscheibe ist er kaum zu sehen, ein Schild mit den Worten „Sascha, King of the road“ verdeckt teilweise seinen kleinen Kopf. Aber hören kann man ihn: Als sich ein Fremder nähert, fängt er lauthals an zu bellen.

„Er beschützt sein Herrchen“, schmunzelt Sascha Suckow, der gerade mit dem Yorkie eine Runde auf dem Parkplatz der Raststätte Beverbach gedreht hat. Heute haben die beiden gemeinsam in ihrem Lkw schon hundert Kilometer auf der Autobahn zurückgelegt. Am Ende des Tages sind es meistens zwischen 200 und 600.

„Für Remmy ist es total normal. Er schläft auf dem Beifahrersitz, frisst und trinkt dort.“ Ein treuer tierischer Begleiter. Und das wird er auch in den nächsten drei Wochen sein, denn Frauchen ist in Kur und alleine zu Hause bleiben, das kommt nicht in Frage. „Wir machen das nicht zum ersten Mal, Remmy fährt öfters mal mit“, sagt Sascha und tätschelt seinem Gefährten den Kopf.

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„Die A40 fährste nur, wenne Zeit hast“

Seit 15 Jahren schon fährt er über die Straßen Deutschlands, früher auch im Fernverkehr, quer durch Europa. Heute lagern 16 Tonnen Mischholz in den Containern hinter den beiden. Die müssen sie gleich noch nach Schwerte bringen. Morgen geht’s weiter bis nach Brilon. Dass sie über die A40 fahren, ist fast schon eine Ausnahme. „Wir Lkw-Fahrer sagen immer: ‚Die A40 fährste nur, wenne Zeit hast.‘ Ab Essen-Frohnhausen bis Bochum stehste nämlich immer und auf der A40 zu rasten, war bis vor kurzem gar nicht so einfach.“ Recht hat er. Nur eine Raststätte, die „Neufelder Heide“ bei Neukirchen-Vluyn, gab es bis vor einem Jahr auf dem gesamten Ruhrschnellweg – und der ist immerhin 94 Kilometer lang. Erst im Oktober 2014 eröffnete der Rastplatz Beverbach zwischen Dortmund und Bochum.

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Beverbach ist Gold wert

Und das war längst überfällig: „Jeder, der hier zum ersten Mal getankt hat oder zum Mittagessen vorbei kam, war super dankbar“, erinnert sich die Pächterin des Rastplatzes, Nadja Anana. Und mittlerweile hat die Raststätte schon so manchen Stammkunden.

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Einer von ihnen ist Thomas Bücker, Rufname „Theo“, wie das Namensschild am Armaturenbrett seines Lkw verrät. Den obligatorischen Becher Kaffee holt er sich jeden Mittag beim Rasthof Beverbach und heute gibt’s noch einen Hotdog dazu. „Ohne Kaffee läuft der Motor nicht“, sagt er, lacht und zieht sich zurück in sein Führerhäuschen. „Das Ding hier ist Gold wert auf der A40“, ruft er noch aus dem offenen Fenster und düst über den Parkplatz zurück auf die Auffahrt.

Von der Autobahn kommend braucht auch der nächste Kunde erstmal einen Pott Kaffee. Und für seinen Bulli etwas ganz Besonderes: Glas-Reiniger in der 1-Liter-Sprayflasche. Die steht im Beverbach-Büdchen direkt neben Klopapier, einem Sortiment Wasserpumpenzangen und einer brandneuen Kaffeemaschine. Für Notfälle eben.

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Duschmarke statt Doppelkorn

Eine Frau in Sportdress samt Kind an der Hand ordert eine Packung Zigaretten. Statt mit der Dame hinter der Theke zu reden, zeigt sie nur auf eine der Schachteln hinter ihr. „Das ist hier üblich, viele sprechen gar kein Deutsch. Dann müssen wir raten. Statt Doppelkorn, habe ich einem mal ’ne Duschmarke verkauft“, erzählt eine der Verkäuferinnen.

Das erschien ihr bei einem Wort mit „D“ am naheliegendsten, denn die vier Duschen der Raststätte erfreuen sich großer Beliebtheit. Generell sorgen die Nasszellen beim Team für sehr viel Spaß.

Neben Ehestreit und Techtelmechtel auf dem Klo, erlebt das Tankstellenteam auch Kurioses: „Einmal hat sich ein Kerl im Pissoir die Füße gewaschen. Der stand in Unterhose vor mir und hat sich darüber aufgeregt, dass kein Wasser kommt. Mit Händen und Füßen habe ich ihm erklärt, dass er sich die Füße nicht im Pissoir waschen kann,“ erzählt Sabine Tribanek.

Mit zwei Kolleginnen wienert sie im hinteren Teil der Tanke die Kacheln im Herren-WC. Das machen die drei so gut, dass ihnen die Brummi-Fahrer reihenweise Avancen machen. „Handynummern und Einladungen zum Duscherlebnis haben wir schon fleißig gesammelt. Aber wir nehmen das mit Humor.“